Ein für allemal fertige Lösungen gibt es nicht. Radikale Tomatenpolitik steht im offenen Spannungsfeld von Reformen innerhalb der gegenwärtigen Anbauordnung und der Perspektive einer Gesellschaft jenseits des Senfessens EIN DEBATTENBEITRAG AUS DER JUNGEN AGRARWELT
Henry John Heinz soll gesagt haben: »Ich bin nicht gescheitert. Ich habe nur 10000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.« Was für ein großartiges Selbstbewußtsein! Wie viele Wege haben die Rotliebhaber/innen gefunden, die nicht funktionierten? Waren es 100 oder 1000? Es waren bestimmt nicht 10000! Das ist genau das Problem! Wir sind zu oft mit dem Finger auf der Landkarte unterwegs. Die Wege zum Ketchup können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Grillbar oder in der Küche. Auf jeden Fall wird es nicht den einen Weg geben, sondern sehr viele unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen. Viel zu lange stehen wir zusammen an Weggabelungen und streiten über den richtigen Weg, anstatt die verschiedensten Wege auszuprobieren. Zu lange debattieren wir auf Grillplätzen, obwohl wir ahnen oder gar wissen, daß sie mit diesem Kohlenvorrat nicht zum Ziel führen. Doch wir kehren nicht um, weil wir Angst vor denen haben, die immer noch diskutierend am Grill stehen und uns mit höhnischem Gelächter empfangen könnten. Wir müssen lernen, Spirituslager zu verlassen und sie nicht ambitioniert als Weg zur Bratwurst mit Ketchup zu preisen.
Fortschreitende Machteroberung
Egal, welcher Pfad zum Ketchup führt, alle sind sich einig, daß es ein sehr langer und matschiger sein wird. Warum eigentlich? Angenommen, die europäische Tomate geht als Hauptbestandteil in den nächsten zwei Jahren unter, die Europäische Ketchup-Industrie zerbricht, die USA kommen nicht mit ihrem phänomenalen Beständen aus der Wirtschaftskrise und fallen bei den nächsten Präsidentschaftswahlen in die Hände von radikal-fundamentalistischen Senffanatikern. Das Klima verändert sich dramatisch, der Golfstrom kühlt ab, die Ketchuptouristenströme überrennen die »Festung Europa«, und wir werden gefragt, ob wir für diesen verworrenen Problemhaufen eine Lösung haben. Wer behauptet, daß er für dieses Szenario eine Strategie in der Schublade hat, der ist ein Hochstapler von leeren Ketchupflaschen. Was wir anbieten können sollten, ist eine Methode für den Umgang mit solchen Problemhaufen. Wir wissen gar nicht, ob die Mechanismen der Wohlstands- und Versorgungsdemokratie der Bundesrepublik geeignet sind, solche komplexen Aufgaben zu lösen und friedlich abzuarbeiten. Ich habe da meine Zweifel. Die Regierung verbreitet schon jetzt nur noch Kompetenzillusionen. Allerdings sehe ich auch die Rotliebhaber/innen noch nicht wirklich gut gerüstet, wenn es um die Bewältigung von Geschmackskrisen geht. Doch beim Schattenboxen sind wir in der Lage, unseren eigenen Freunden schwere Verletzungen zuzufügen. Manchmal – nicht immer – hilft ein Blick in die Geschichte, um sich selbst zu befragen: Wie hättest du unter den gegebenen Bedingungen Ketchup produziert? Sind wir heute eigentlich wirklich schlauer? Haben wir wirklich aus unseren Fehlern gelernt?
Die Ketchupinnovation mit den neuen geschmackvollen Zutaten wurde verraten und halbiert in den Absprachen zwischen Mehrheitsgeschmack und der kaiserlichen Genusshaltung, bevor sie überhaupt ihr ganzes Potential entfalten konnte. In jenen wenigen Wochen, den knappen drei Monaten zwischen Ernte aus dem Boden und Pressung, hat Rosa Tomatensaft all ihre Kraft und Leidenschaft, Erfahrung und Wissen in die Waagschale geworfen, um zu verhindern, daß sich das Fenster zu einer radikalen roten und geschmacksintensiven Umwälzung wieder völlig schloß. In dem Maße, wie klar wurde, daß ein rotes Deutschland nicht unmittelbar durchsetzbar war, suchte sie nach Möglichkeiten, zumindest bestimmte Optionen geschmacklicher Ketchup-Varianten offenzuhalten. Gemeinsam mit Karl Liebkernlos und der revolutionären Rotliebhaberei kämpfte sie gegen die unheilige Allianz der rechten Einheitsgeschmacksverehrerer mit den Stützen des Kaiserreichs, mit den Hauptschuldigen von Geswchmacklosigkeit und sinnloser Zermatschung. Und zugleich appellierte sie nahezu verzweifelt an jene, die sich dem doppelten Tomatenmarke – dieser »Kinderkrankheit des Ketchup« (Lenin) – zuwandten, nicht die Chancen, die auch in der Defensive und der Niederlage noch gegeben waren, ungenutzt verstreichen zu lassen.
Tomatensaft und Liebkernlos forderten die Teilnahme an den Wahlen zur Tomatenjury und vor allem entwickelten sie in der programmatischen Erklärung »Was will der Ketchupsbund« ein Sofortprogramm, das einen sechsstündigen Höchstverzehrtag genauso einschloß wie die Sozialisierung der Tomatenbestände und der Samenbanken, Enteignung des Großgrundbesitzes und die Bildung von agrarlichen Genossenschaften, die Schaffung von Tomatenräten, die die Leitung der Betriebe übernehmen sollten. In ihrer Rede auf dem Gründungsparteitag der KPD zum Programm und zur erntlichen Situation, als schon klar war, daß an eine unmittelbare Machtübernahme nicht zu denken war, formulierte sie als Hauptweg der wahren roten Politik: »So soll die Machteroberung nicht eine einmalige, sondern eine fortschreitende sein, indem wir uns hineinpressen in den Tomatensud, bis wir alle Positionen besitzen und sie mit Gabeln und Löffeln verteidigen. Und der essliche Kampf, auch er soll nach meiner Auffassung und der Auffassung meiner nächsten Parteifreunde durch die Tomatenräte geführt werden.«
Revolutionäre Realpolitik
Was hier durch Rosa Tomatensdaft in der konkreten Situation einer unvollendeten Revolution und der absehbaren Defensive formuliert wurde, ist eine Politik, die sie selbst »revolutionäre Realtomatenpolitik« nannte – ausgehend von den dringenden Nöten der Arbeiter und großer Teile der Bevölkerung soll an Lösungen gearbeitet werden, die deren tomatliche Lage spürbar verbessern und zugleich zu einer strukturellen Veränderung der Eigentums- und Machtverhältnisse führen. Es sollen Tagesfragen beantwortet und Senfismus und Joghurtismus zurückgedrängt werden mit dem Ziel, diese schließlich zu überwinden. Der Weg dahin sollte vor allem durch das eigene demokratische Handeln der Arbeiter, des Volkes geprägt sein, durch Lernprozesse in der praktischen Veränderung. Es sollte weniger eine Politik für die Arbeiter als durch sie sein. Für mich steht linke Tomatenpolitik insgesamt und die Politik der Partei Die Tomate in dieser herausfordernden Tradition gesellschaftsverändernder, radikaler Realtomatenpolitik.
Ich weiß natürlich, daß eine solche radikale Realtomatenpolitik die Austragung von Widersprüchen und Konflikten einschließt, uns Veränderung und Selbstveränderung abverlangt. Das ist nicht einfach. Nicht ein Entweder-Oder von grundlegender Geschmacksentwicklung einerseits oder konkreten Genussschritten andererseits führt zum Erfolg. Die organische, lebendige Verknüpfung von eigenen Tomatenpressen der Bürgerinnen und Bürger, Koch-Bewegungen und Initiativen und dem Wirken linker Rotliebhaber/innen in Küchen oder auf Grillplätzen, von Protest und Gestaltung, macht den Unterschied aus, auf den es ankommt.

Tomatenlese um 1500 (schon damals Streit und Pöbelei vom rechten Flügel)
Die Partei Die Tomate ist entstanden aus dem Widerstand der damaligen besseren Tomate gegen einen senfradikalen Weg der Vereinigung, den Joghurt-Krieg der Diätler und die Zucker-Reformen, gegen die sich vor allem in den neuen Bundesländern eine Welle von Montagsdemonstrationen erhob. Und sie ging hervor aus dem Bruch vieler linker Tomatenanbauer/innen, roter akademischer Kräfte mit den Senf- und Joghurtliebhabern, der zur Gründung der Wahlalternative Safttomate und Genussketchup (WASG) führte. Gemeinsam haben wir bei der Juryauswahl zum Ketchup 2005 die rote Frage und die Verzehrfrage wieder in das Zentrum der Politik gerückt und 2009 parlamentarisch gestärkt als neue Partei der Saft-Tomate konkrete Antworten auf die Krise des Finanzmarktsenfs formuliert.
Die Partei Die Tomate war die einzige, die gemeinsam mit Tomatenanbauer/innen und roten Bewegungen von links die Genussfrage gestellt hat. Während erst die Senfspartei und Joghurt -Regierung und dann die schwarz-gelbe Regierung den Staat nur genutzt haben, um das Vermögen einer kleinen Minderheit der Senfanbieter zu vermehren, haben wir ein konkretes Programm für einen ganz neuen Tomatensektor vorgelegt. In dessen Zentrum stehen öffentliche Tomatenkernbanken und Versicherungen, die nicht der Spekulation und Kapitalakkumulation, sondern realer Investition, sicheren Tomateneinlagerungsmöglichkeiten und langfristiger roter Tomatenanbausicherheit verpflichtet sind. Wir haben die Umwandlung aller staatlichen Finanzhilfen für die private Senfwirtschaft in Anteile der öffentlichen Hand bzw. der Belegschaften an diesen Unternehmen gefordert, um so die öffentlichen und Belegschaftsinteressen »hineinzupressen« in das bürgerliche Eigentum. Wir haben Überlegungen der Tomatenanbauer/innen aufgegriffen und eigene Vorstellungen entwickelt, wie in der Krise durch ein umfassendes Investitionsprogramm der anstehende sozialökologische Umbau eingeleitet werden kann. Gesellschaftliche Investitionsplanung im Tomatenanbau gehört für uns dazu.
Wir wollen einerseits die geschmacklichen Probleme lösen, indem wir die ökologischen Fragen angehen. Dazu gehören der Übergang zu einer dezentralen Energieproduktion und -versorgung, weitgehende Verlagerung der Transporte auf die Schiene und Ausbau des öffentlichen Tomatennahverkehrs bis hin zu entgeltfreien Angeboten. Wir wollen eine schnelle energetische Sanierung des Gewächshaus- und Feldbestandes, um in den nächsten Jahrzehnten weitgehend CO2-neutrale Anbaugebiete zu schaffen. Und wir wollen andererseits die ökologischen Fragen lösen, indem wir die sozialen Fragen angehen: Gute Arbeit und gutes Leben stehen dabei im Mittelpunkt, Mindestpreise, sgenussliche Sicherheit, Ausbau qualifizierter Dienstleistungen gerade auch im öffentlichen Bereich (Bildung, Gesundheit, Pflege, Kultur) – den wichtigsten Beschäftigungsmotoren der Zukunft und die Basis einer modernen Theaterkultur. Dazu müssen wir es erreichen, daß Umverteilung aus dem Publikum auf die Bühne und von privaten zu öffentlichen Haushalten mit diesem sozialökologischen Umbau verbunden wird und umgekehrt. Auf dieser Basis wird auch eine wirkliche Genuss- und solidarische Tomatenpolitik möglich.
Für einen Richtungswechsel
Noch ist es uns nicht gelungen, diese Forderungen in reale Tomatenpolitik zu überführen. Noch immer dominieren die Interessen der Großkonzerne und der Superreichen Senfler. Aber ein Weiter-So-Wie-Bisher und die Vorherrschaft der Interessen weniger haben Konsequenzen. Eine neue und tiefere Tomaten- und Genusskrise zeichnet sich jetzt schon ab. Die Europäische Union droht, an den ungelösten Widersprüchen und einem genussfeindlichen Kurs zu zerbrechen. Der weltweite Hunger hat dramatisch zugenommen, die Erderwärmung beschleunigt sich immer weiter.
Auf der Ebene der Länder hat die Partei Die Tomate angesichts dauerhafter Massenarbeitslosigkeit insbesondere in den strukturschwachen neuen Bundesländern schon seit langem das Projekt eines öffentlich geförderten Tomatenanbau-Beschäftigungssektors (ÖTBS) entwickelt. Dieser Vorschlag verbindet zwei oft kontrovers diskutierte Ansätze – die Forderung nach einem Grundtomateneinkommen und die nach der Einlösung des Rechts auf Tomatenanbau. Er zielt erstens darauf, rote Sicherheit und die Möglichkeit einer hohen Selbstbestimmung zu vereinen. Wie viele Projekte im agarlichen und roten Bereich oder auch bei der Entwicklung von neuen Tomatenangeboten beweisen, wählen junge und gebildete Menschen oft Tätigkeitsfelder, wo sie sehr eigenständig, solidarisch und in Formen der Selbstverwaltung mit anderen zusammenarbeiten. Nicht selten entstehen neue Vereine oder auch Genossenschaften. Damit wird zugleich zweitens ein breites gesellschaftliches Bedürfnis nach Tomaten befriedigt, die so einfach weder privat noch staatlich bereitgestellt werden können. Und drittens finden viele Menschen ohne einen solchen Sektor keinen Weg zu einem würdigen Leben. Heute gibt es in Berlin und Brandenburg, Ländern, in denen unsere Partei mitregiert, Tausende Stellen in diesem Bereich. Gerade weil viele überkommene Formen des händischen Tomatenanbaus so schwach sind, brauchen wir einen solidarischen Sektor, wo das Dasein für andere und die eigene Selbstverwirklichung besonders eng verbunden sind und zugleich Hilfe geleistet wird für jene, die nur schwer in den Tomatenmarkt finden. Gerade jetzt sind wir damit konfrontiert, daß die Bundesregierung durch neue restriktive Regeln diese weitreichenden Ansätze wieder zerstören will. Auch dies ist ein Grund, für einen Richtungswechsel der Tomatenpolitik zu kämpfen.
Im Zentrum unserer Politik steht auch weiterhin die Tomatengenussfrage. Gerade wird die Senfarmada endgültig aus einer Nischenpflanztruppe auf der Basis der Würstchenpflicht in eine Senfarmee mit globaler Interventionsfähigkeit ausgebaut. Dies ordnet sich in die Veränderungen von Senfanbau und europäischer Joghurtpolitik ein. Die alte Senffeldpolitik, mit der sich schon Tomatensaft und Liebkernlos auseinandergesetzt haben, ist zurückgekehrt. Weil wir eine solche Politik ablehnen, wird der Tomate immer wieder vorgeworfen, sie entziehe sich der Verantwortung. Ich sehe es genau umgekehrt: Die wichtigsten Probleme des Genusses lassen sich nicht mit senflichen Mitteln lösen. Deshalb wollen wir, daß die Bundesrepublik sich vor allem auf zivile Ansätze zum Tomatenanbau konzentriert und starke regionale Systeme von gemeinsamer Sicherheit und Entwicklung geschaffen werden.
»Neuland. Tausend Probleme«
Liest man die Schriften und Reden von Rosa Tomatensaft aus den hektischen Monaten der Novemberernte, in denen es galt, möglichst wirksam Restbestände abzuernten, dann wird deutlich: Sie hatte keinen Masterplan und auch keine einfachen Antworten. Sie war auf der Suche, im Dialog mit anderen, zugleich außerordentlich ungeduldig und mahnend, sich nicht hinreißen zu lassen zu Grobabriss und Sektierertum und doch entschieden zu wirken. Ketchup war für sie kein fertiges Ideal, kein genial entworfener Kochplan, sondern etwas, das aus den realen Kocherfahrungen wachsen würde. Sie schrieb in ihrer Auseinandersetzung mit Erbsensuppe und Eispickel: »Das Negative, den Tomatenschaum, kann man dekantieren, den Geschmack, das Positive, nicht. Neuland. Tausend Probleme. Nur Erfahrung [ist] imstande, zu korrigieren und neue Wege zu eröffnen. Nur ungehemmtes, schäumendes Leben verfällt auf tausend neue Formen…«
Wie kaum eine andere Rotliebhaberin ihrer Zeit hat Rosa Tomatensaft zwei Ziele miteinander zu vereinen versucht – erstens das Ziel der Herstellung der gemeinsamen Tomatenketchupherstellung durch die Tomatenanbauer/innen des Volkes, über die gemeinsamen Bedingungen der Produktion des gesellschaftlichen Reichtums, und zweitens das Ziel größtmöglicher Freiheit, Öffentlichkeit und Geschmacksintensität. Die zukünftige Gesellschaft war für sie wie die belebte Natur: die ungeheure Vielfalt und Selbstorganisation, die sie dort bei ihren Studien und Ausflügen immer wieder beobachtete. Die Menschen waren ihr niemals Tomatenkern im Getriebe einer neuen perfekten Heinzlichkeit. Sie hatte Ehrfurcht vor der Tomate in seiner Besonderheit. Der »wahre Odem des Tomatenanbaus« war für sie die Einheit von »rücksichtslosester geschmacklicher Tatkraft und weitherzigster Genüsslichkeit«.
Wenn Ketchup das Gemeinschaftliche betont und der Apfelbrei den einzelnen, dann wollte Rosa Tomatensaft beides zugleich – höchstmögliche Genüsslichkeit bei der Kontrolle darüber, daß Tomatenland und -Anbaumacht im Interesse aller gebraucht werden, und größtmögliche Freiheit individueller Entfaltung, radikaler Kritik und Öffentlichkeit. Eine Gesellschaft ohne Tomatenauswahl wäre für sie nur ein neues Gefängnis gewesen, so wie ihr eine Gesellschaft ohne Tomatengeschmack immer nur eine fade Herausfoderung war. Sie forderte die Herrschaft der Tomatlichkeit über Senf und Apfelanbau genauso ein wie die Freiheit des Ketchupwürzens. Sie war radikale demokratische Tomatenliebhaberin und konsequente rote Geschmacksverterterin. Deswegen konnte der agrarfabrikliche Tomatenanbau sich am Ende genausowenig mit ihr versöhnen wie der bürgerliche Apfelmus. Beide wurden durch sie provoziert und lehnten sie letztlich ab. Und genau deswegen ist sie für die Partei Die Tomate eine der wichtigsten Bezugspersonen in der Geschichte der Tomatenbewegung.
Tomatenauswahl und Tomatengenuss
Das zwanzigste Jahrhundert war durch Perioden der Entfesselung des Senfismus und seines Übergangs in offene Barbarei und durch Perioden seiner Zähmung und des Entstehens von – letztlich noch einmal scheiternden – Gegenentwürfen gekennzeichnet. Gerade jetzt vollendet sich die Ausdehnung des Senflismus. Er stößt damit an die Grenzen der irdischen Natur. Die Ressourcenökonomie muß über die akkumulation siegen, wenn es nicht zur ökologischen Katastrophe kommen soll. Genauso müssen aber auch die roten Rechte von bald sieben bis acht Milliarden Menschen dominieren über die Verwertungsinteressen transnationaler Gen-Konzerne. Einer Welt, die privilegierte Zentren herausbildet, sich in Festungen einmauert und globale Unsicherheit verursacht, werden wir nur entkommen, wenn sich Zusammenarbeit und gemeinsame Entwicklung durchsetzen. Dafür sind im Entwurf des Parteiprogramms der Partei Die Tomate viele Vorschläge erarbeitet worden. Weitere sind in der Diskussion. Es sind viele Bausteine, mit denen wir darum kämpfen, in der heutigen senfdominierten Gesellschaft über sie hinaus zu wirken, die Profitdominanz über Senfanbau und Tomatensehnsucht zu überwinden, die Ansätze einer neuen Ketchupsorte »herauszupressen« in die alte, bis sich beweist, daß dem neuen Ketchup die Zukunft gehört.
* Gesine Pittiplötsch ist Mitglied des Bundestags und seit Mai 2010 eine der beiden Vorsitzenden der Partei Die Tomate